
Paul Spiegel – 2026 seit 25 Jahren Ehrenbürger der Stadt Warendorf
Im September 2026 jährt sich die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Paul Spiegel zum 25. Mal. Die Stadt Warendorf erinnert damit an eine Persönlichkeit, die sich in besonderer Weise für das jüdische Leben in Deutschland, den interreligiösen Dialog und eine offene Gesellschaft eingesetzt hat. Sein Wirken bleibt auch über seinen Tod hinaus ein wichtiger Impuls für Erinnerungskultur, Verständigung und demokratisches Engagement in Warendorf.

Gedenktag im Paul-Spiegel-Berufskolleg am 30.04.2026
Mit einer Gedenkveranstaltung haben das Paul-Spiegel-Berufskolleg und die weiterführenden Schulen der Stadt Warendorf an den 20. Todestag von Paul Spiegel erinnert. Gemeinsam wurde das Leben und Wirken des ehemaligen Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland und Warendorfer Ehrenbürgers gewürdigt.
Den feierlichen Auftakt in Anwesenheit des Vertreters der Jüdischen Gemeinde Münster Ilja Golup und der Beauftragten des Landes Nordrhein-Westfalen für die Bekämpfung des Antisemitismus, für jüdisches Leben und Erinnerungskultur Sylvia Löhrmann bildete ein schulübergreifender Chor mit Ludwig van Beethovens „Ode an die Freude“.
In seinem Grußwort betonte Bürgermeister Peter Horstmann die besondere Bedeutung des gemeinsamen Erinnerns und dankte allen beteiligten Schulen für ihr Engagement. „Das heutige Gedenken ist ein Zeichen der Verbundenheit zu Paul Spiegel und ein Bekenntnis zu den Werten, die Paul Spiegel zeitlebens vermittelt hat: Toleranz, Courage, Gemeinschaft“, so Peter Horstmann. „Persönlich war es für mich eine große Ehre, am 19. April am Gedenktag nach jüdischem Kalender in Düsseldorf teilnehmen zu dürfen. Das gemeinsame Erinnern an das Leben und Wirken Paul Spiegels hat nochmals verdeutlicht, wie viel Verbundenheit und Zuversicht ein aufrichtiges und mutiges Leben weit über den Tod hinaus stiften kann.“
Ilja Golup unterstrich die Bedeutung der schulischen Veranstaltung: „Es ist ein starkes und mutiges Zeichen der Schülerinnen und Schüler in Zeiten, in denen der Antisemitismus wieder so erstarkt“ und er forderte sie auf immer genau hinzuschauen.
Einen besonderen Schwerpunkt setzte das von Schülerinnen und Schülern gestaltete Programm: Anhand eines in der Aula ausgestellten Zeitstrahls sowie projizierter Großfotos zeichneten sie die Lebensstationen von Paul Spiegel nach und machten historische Zusammenhänge anschaulich und lebendig.
In ihrer Ansprache betonte Sylvia Löhrmann die Verantwortung insbesondere junger Menschen, sich aktiv für ein respektvolles und demokratisches Miteinander einzusetzen. Sie selbst hat Paul Spiegel während ihrer Tätigkeit als Abgeordnete im Landtag persönlich kennengelernt und nannte Spiegel einen gütigen Menschen. „Die Größe und Güte nach dem Unrecht wieder nach Warendorf zu kommen, diese Versöhnungswille, das ist ein großes Geschenk an uns Nichtjuden. Paul Spiegel hätte sich über den heutigen Tag und das Engagement der jungen Menschen sehr gefreut.“
Die Gedenkfeier wurde durch das Paul-Spiegel-Berufskolleg, das Gymnasium Laurentianum, die Gesamtschule Weiße Rose und das Mariengymnasium vorbereitet und durchgeführt. 2026 jährt sich der Todestag von Paul Spiegel zum 20. Mal. Außerdem wurde Spiegel im Jahr 2001, also vor 25 Jahren die Ehrenbürgerschaft der Stadt Warendorf übertragen.

Historie
Paul Spiegel wurde am 31. Dezember 1937 in Warendorf geboren. Er entstammte einer jüdischen Familie als Sohn von Marga und Paul Spiegel, der seit den 1920er-Jahren als Viehhädler in der Stadt lebte und arbeitete. Warendorf war damit nicht nur Paul Spiegels Geburtsort, sondern blieb zeitlebens ein zentraler Bezugspunkt seiner Biografie.
Die Zeit des Nationalsozialismus prägte seine Kindheit tief: Nach zunehmender Ausgrenzung und Verfolgung floh die Familie 1938 nach Brüssel. Während des Holocaust überlebte Paul Spiegel als Kind versteckt bei einer katholischen Bauernfamilie in Belgien. Seine Schwester wurde deportiert und ermordet, sein Vater überlebte mehrere Konzentrationslager.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte die Familie 1945 nach Warendorf zurück – als eine der ersten jüdischen Familien. Sein Vater engagierte sich maßgeblich für den Wiederaufbau jüdischen Lebens vor Ort. Paul Spiegel besuchte in Warendorf die Schule und wuchs hier auf, bevor er 1958 nach Düsseldorf ging.
Paul Spiegel gehörte zu den prägenden Persönlichkeiten des jüdischen Lebens in Deutschland nach 1945. Seit den 1960er-Jahren engagierte er sich in jüdischen Organisationen und übernahm zahlreiche Ehrenämter.
Im Jahr 2000 wurde er Präsident des Zentralrat der Juden in Deutschland. In dieser Funktion war er bis zu seinem Tod einer der wichtigsten Vertreter jüdischen Lebens in Deutschland.
Während seiner Amtszeit setzte er sich insbesondere ein für:
- die gesellschaftliche Anerkennung jüdischen Lebens in Deutschland
- die Integration von Zuwanderinnen und Zuwanderern jüdischen Glaubens
- den Dialog zwischen Religionen und Kulturen
Ein bedeutender Meilenstein war der Staatsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Zentralrat der Juden im Jahr 2003, der die rechtliche Gleichstellung mit den großen Kirchen stärkte.Trotz seiner beruflichen Tätigkeit in Düsseldorf blieb Paul Spiegel seiner Heimatstadt eng verbunden. Er kehrte regelmäßig nach Warendorf zurück und engagierte sich für die Erinnerung an die Geschichte der jüdischen Gemeinde. Sein Wirken trug dazu bei, die Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte Warendorfs neu zu beleben und sichtbar zu machen. Am 5. September 2001 wurde Paul Spiegel die Ehrenbürgerwürde der Stadt Warendorf verliehen. Damit würdigte die Stadt seine herausragenden Verdienste um:
- das jüdische Leben in Deutschland
- die Verständigung zwischen den Religionen
- sowie seine besondere Verbundenheit mit seiner Heimatstadt
Die Ehrenbürgerwürde ist die höchste Auszeichnung der Stadt Warendorf.
Paul Spiegel verstarb am 30. April 2006 in Düsseldorf nach schwerer Krankheit.
Sein Wirken bleibt bis heute von großer Bedeutung für das demokratische und gesellschaftliche Leben in Deutschland. In Warendorf erinnert unter anderem das Paul-Spiegel-Berufskolleg an ihn.
Paul Spiegel steht exemplarisch für:
- die Wiederbegründung jüdischen Lebens nach 1945
- die Verantwortung für Erinnerung und Versöhnung
- das Engagement für eine offene und pluralistische Gesellschaft
Als Ehrenbürger ist er ein wichtiger Teil der Stadtgeschichte Warendorfs und ein Vorbild für Zivilcourage, Dialog und gesellschaftliches Engagement.
