Luftaufnahme der Warendorfer Altstadt

Gedenkveranstaltung für Paul Spiegel


Mit einer Gedenkveranstaltung hat die Stadt Warendorf heute an ihren Ehrenbürger Paul Spiegel erinnert. Unter dem Titel „Stimme gegen das Vergessen“ stand dabei nicht nur die Erinnerung an den ehemaligen Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland im Mittelpunkt, sondern auch die Frage, welche Bedeutung sein Vermächtnis für die Gegenwart hat. 

Anlass der Veranstaltung war der 25. Jahrestag der Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Paul Spiegel am 5. September 2001. Bürgermeister Peter Horstmann erinnerte in seiner Begrüßung daran, dass eine Ehrenbürgerschaft weit mehr sei als eine Auszeichnung: Sie sei auch eine Verpflichtung, die Werte und das Wirken des Geehrten lebendig zu halten. „Sie verpflichtet uns nicht nur dazu, die Erinnerung an einen wichtigen Menschen wachzuhalten. Sie verpflichtet uns auch, seine Werte ernst zu nehmen und sein Wirken fortzuführen“, betonte Horstmann. 

Einen besonderen Moment bildeten Ausschnitte aus der Dankrede, die Paul Spiegel anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerwürde vor 25 Jahren gehalten hatte. Seine damaligen Worte machten deutlich, wie wichtig ihm die Verbindung zu seiner Heimatstadt und der Dialog zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religionen war. 

Besonders persönlich wurde die Veranstaltung durch die Erinnerungen von Paul Spiegels Ehefrau Gisèle Spiegel. Gemeinsam mit ihrenTöchtern Leonie und Dina sowie ihrem Enkel Liam war sie nach Warendorf gekommen. Sie machte deutlich, wie eng die Familie bis heute mit Warendorf verbunden ist. „Wir kommen immer wieder gerne nach Warendorf“, sagte Gisèle Spiegel. Sie beschrieb die Begegnungen in der Stadt als herzlich und betonte, dass die Veranstaltung zeige: „Paul ist in Warendorf immer noch zu Hause.“ 

Ein besonderes Anliegen ihres Mannes sei stets die junge Generation gewesen. Paul Spiegel habe große Hoffnungen in die Jugend gesetzt. Gerade angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen sei es wichtig, miteinander im Gespräch zu bleiben und aufeinander zuzugehen. Begegnung und persönlicher Austausch seien zentrale Voraussetzungen dafür, Vorurteile abzubauen und Verständnis füreinander zu entwickeln. 

v.l. Dina Spiegel, Leonie Spiegel, Bürgermeister Peter Horstmann, Giséle Spiegel, Liam Spiegel


Daran knüpfte auch die anschließende Podiumsdiskussion an. Unter der Moderation von Stefan Querl diskutierten Prof. Dr. Andrea Löw und Prof. Dr. Hubert Wolf über die Frage „Wiederholt sich Geschichte?“. Im Mittelpunkt standen die bleibenden Herausforderungen, die sich aus der Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust für die Gegenwart ergeben. Dabei ging es auch um die Frage, welche Verantwortung die heutige Gesellschaft aus der Erinnerung ableiten muss. 

v.l. Stefan Querl, Prof. Dr. Andrea Löw, Prof. Dr. Hubert Wolf


Die Veranstaltung machte deutlich, dass die Erinnerung an Paul Spiegel in Warendorf nicht allein rückwärtsgewandt ist. Sein Einsatz für Verständigung, seine klare Haltung gegen Antisemitismus und Ausgrenzung und sein unermüdliches Eintreten für ein Miteinander von Juden und Nichtjuden sind zugleich Auftrag für die Gegenwart. „Paul Spiegel gehörte nicht zu denen, die verstummten, wenn Haltung gefragt war. Er hat sich eingemischt und Stellung bezogen. Und genau das wollen auch wir heute tun“, hatte Bürgermeister Peter Horstmann in seiner Begrüßung erklärt. Er bekräftigte den Anspruch der Stadt, der mit der Ehrenbürgerwürde verbundenen Verantwortung auch künftig gerecht zu werden. Zugleich kündigte er an, die neue Brücke der Stadtstraße Nord nach Paul Spiegel benennen zu wollen – als Zeichen der Erinnerung, der Versöhnung und als Bekenntnis zur Verpflichtung der Stadt. Die Familie Spiegel hatte bereits ihre Zustimmung zu diesem Vorschlag signalisiert.