Im Nachgang zur erfolgreichen Ausstellung im Historischen Rathaus „Warendorf im Wandel – Ein Motiv, viele Blicke“ (2025) konnte die städtische Sammlung nun um ein bis her unbekanntes Werk des Warendorfer Künstlers Wilhelm Götting erweitert werden. Das Gemälde „Am Münstertor“ gelangte als Schenkung in den Besitz der Stadt.
Kurz vor ihrem Tod hatte die in Duisburg lebende Brigitte Hoerterer, geb. Klemann, verfügt, dass das Gemälde der Stadt Warendorf übergeben werden sollte. Sie wurde 1941 in Warendorf geboren. Ihre Eltern betrieben an der Freckenhorster Straße das Tabakgeschäft Klemann. Zwei Jahre nach ihrer Hochzeit mit dem Volkswirt Norbert Hoerterer, der später die Weiterbildung der Firma Thyssen in Duisburg leitete, beauftragte sie den Warendorfer Künstler Wilhelm Götting mit einem Gemälde des Münstertores.
Das Bild zeigt eine für Warendorf typische Ansicht des Wilhelmplatzes mit den Torbögen des ehemaligen Marienfelder Tores. Von besonderem Interesse für den heutigen Betrachter ist die Darstellung der damaligen Bebauung im Bereich der heutigen Volksbank-Plaza. An dieser Stelle wurden 1826 die ersten Hengste des Königlich Rheinisch-Westfälischen Landgestüts eingestallt. Später wurde das Gebäude als Münsterwallschule genutzt, bevor es 1976 abgebrochen wurde.
Götting hielt damit nicht nur ein Stück Warendorfer Stadtarchitektur fest. Im Vordergrund zeigt er zugleich einen Ausschnitt des Wochenmarktes, der bis heute auf dem Wilhelmplatz stattfindet. Das Gemälde verbindet somit Architektur-, Stadt- und Alltagsgeschichte und dokumentiert einen Bereich Warendorfs, dessen Erscheinungsbild sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert hat.
Wilhelm Götting verbindet in dem Gemälde eine gegenständliche Stadtansicht mit einer lockeren, impressionistisch beeinflussten Malweise. Architektur und Figuren werden vereinfacht wiedergegeben und durch einen breiten, sichtbaren Pinselstrich zusammengefasst. Die zurückhaltende Farbigkeit und die atmosphärische Behandlung des Hintergrundes verleihen der Ansicht eine ruhige, beinahe erinnerungshafte Wirkung. Götting dokumentiert den Ort nicht fotografisch, sondern hält vor allem dessen Stimmung und alltägliches Leben fest.
Wilhelm Götting wurde in Menden geboren und wuchs in Münster auf. 1919 wurde er an der Kunstakademie Düsseldorf aufgenommen. Weitere Studien führten ihn an die Akademien in München und Wien. Ab 1928 arbeitete Götting als freischaffender Künstler in Münster; seit 1930 gehörte er der Künstlergemeinschaft „Die Schanze“ an.
Nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft baute sich Götting in Warendorf eine neue Existenz auf. Bis zu seinem Tod im Jahr 1976 lebte und arbeitete er in der Stadt. Über drei Jahrzehnte gehörte er zu den bekannten Künstlerpersönlichkeiten Warendorfs und des Kreises. Er hinterließ ein umfangreiches Œuvre mit zahlreichen Ansichten der Stadt und ihrer Umgebung.
Mit der Schenkung von „Am Münstertor“ erhält die städtische Sammlung damit nicht nur ein weiteres Werk Wilhelm Göttings, sondern zugleich ein wertvolles Bildzeugnis zur Warendorfer Stadtgeschichte.
Das Bild ist ab sofort in der Stadtverwaltung in der ersten Etage zu sehen.

